Weihnachten steht kurz vor der Türe. Da erinnere ich mich immer an ein schönes Erlebnis. Ich selbst kann mich so genau nicht daran erinnern. Aber meine Mutter erzählte es immer.
Nach zwei Söhnen kam nun endlich das langersehnte Töchterchen und das war ich.
Meine Mutter gestaltete Weihnachten immer sehr schön, so gut es in ihrer Macht stand und die Sachen zu bekommen waren. Ich bin im Krieg geboren und da war es nicht leicht - so meine Mutter.
Weihnachten nahte und für mich sollte es ein Puppenbettchen geben; so mit Himmel und fein ausgestattet.
Nun, ich war ein sehr interessiertes Kind, heute sagt man, ein neugieriges Kind. Ich spürte sofort wenn Geheimnisse in der Luft lagen. Und wenn eine Türe verschlossen war, ja da wurde ich erst recht neugierig, was wohl dahinter steckt.
So ging ich jeden Tag leise die Treppen nach oben, so, das meine Mutter es nicht merkte, und probierte, ob nicht doch mal die Türe offen war.
Nein, leider nicht. Sie blieb verschlossen.
Dann schaute ich durchs Schlüsselloch und sah ein weißes Puppenbettchen da stehen. Ja, was soll ich Euch sagen. Da war die Freude groß. Und vor lauter Freude konnte ich aber nicht meinen Mund halten und lief gleich zu meiner Mutter und sagte ihr: Ich habe es gesehen, das Christkind bringt mir ein Puppenbettchen.
Was meine Mutter darauf antwortete, weiß ich leider nicht mehr. Aber meine Mutter war kläver und stellte das Puppenbettchen von der einen an die andere Seite im Zimmer.
Ich schlich nun jeden Tag ganz leise, so das meine Mutter es nicht merkte, nach oben und schaute durchs Schlüsselloch. Ich wollte sicher sein, ob es noch da steht.
Jetzt sah ich an der anderen Seite nun auch noch ein Puppenbettchen stehen. Ach was war ich glücklich. Vor lauter Aufregung habe ich garnicht bemerkt, daß das Puppenbettchen nur die Seite im Zimmer gewechselt hatte.
Wieder lief ich zu meiner Mutter und rief voller Freude: "Ich bekomme zwei, ich bekomme zwei." Meine Mutter fragte, was bekommst du zweimal. Ich antwortete, ich bekomme zwei Puppenbettchen.
Meine Mutter lächelte nur.
Weihnachten kam und ich war gespannt. Ja, das Puppenbettchen, was ich gesehen hatte, hat das Christkind mir wirklich gebracht. Aber nur eins. Das konnte ich nicht verstehen. Wo war das andere abgeblieben. Ich hatte doch zwei gesehen.
Die Antwort darauf weiß ich nicht mehr. Ich war noch zu klein.
Daß ich das Puppenbettchen bekommen habe, daran kann ich mich erinnern. Ich kann mich auch an das Zimmer erinnern, wo es stand. Aber an den Ablauf daran nicht. Meine Mutter hat es immer wieder erzählt, wenn es um Erlebnisse ihrer Kinder ging.
Ja, das passiert, wenn man zu neugierig ist.
Ich wünsche Euch einen schönen 4. Adventsonntag.
Liebe Grüße Ingeburg